Das Fach

Zur Entwicklung der Geodäsie und Geoinformatik

Die Geodäsie ist die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erde. Seinen Ursprung hat das Wort Geodäsie im antiken Griechenland. Erstmals wurde es von Aristoteles verwendet und bezeichnet im ursprünglichen Wortsinn das Teilen der Erdoberfläche. Aus dieser Definition leiten sich seit Jahrhunderten die Aufgaben der Geodäsie ab: im lokalen Bereich die Festlegung von Eigentums- und Nutzungsgrenzen; im regionalen Bereich die Erfassung und Verwertung raumbezogener Daten zur Herstellung von Karten und Plänen sowie die Entwicklung und Anwendung messtechnischer Verfahren zur geometrischen Realisierung und Überwachung von Ingenieurbauwerken; und im globalen Bereich die Bestimmung der Gestalt der Erde und der Beschreibung geodynamischer Prozesse.

Zollstock oder GPS?
Quelle: DIE ZEIT 43/2001
Die schnelle Entwicklung der erdgebundenen und satelliten-getragenen Informations- und Kommunikationstechnologien hat das klassische Vermessungswesen einem dramatischen technologischen Wandel unterworfen. Darüber hinaus sind die Prozesse zur Erfassung, Aufbereitung, Analyse und Bereitstellung von Geoinformationen durch den konsequenten Einsatz von Mikroprozessoren in hohem Maße automatisiert worden. Während früher Einzelschritte von der Erfassung der Messwerte bis zur Kartenherstellung eher handwerklich zu nennende Fähigkeiten verlangten, wird von der Geodätin oder dem Geodäten heute im verstärkten Maß das Verständnis und die Beherrschung der eingesetzten Hardware und Software sowie die Planung und Kontrolle der zugrunde liegenden Prozesse erwartet. Die Fortschritte in der elektronischen Messtechnik und der Datenverarbeitung führten zu rasanten Entwicklungen auf den Feldern
  • Raumfahrt und Satellitentechnologie,
  • Photogrammetrie und Fernerkundung,
  • Rechnergesteuerte Messtechnik (Wandel vom Messgerät zum Meßsystem) und Automation,
  • Rechnergestützte Entwurfs-, Konstruktions- und Bauverfahren (CAx),
  • Geo-Informationssysteme (GIS),
  • Robotik, Transport- und Verkehrsmanagement,
  • Automatische Bildinterpretation,
  • Industrielle Terrestrische Positionierungssysteme und Computer Vision.

Ein Fach mit Zukunft!

Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft wandeln sich die klassischen Aufgaben des Vermessungsingenieurs. Die schnelle Entwicklung von Wissenschaft und Technik sowie die zunehmenden Herausforderungen hinsichtlich Bevölkerungsdichte, Infrastruktur und Umwelt stellen immer höhere Anforderungen an Daten bzw. Informationen, auf deren Grundlage Entscheidungsprozesse innerhalb des Lebensraums Erde getroffen werden.

Solche Aufgaben sind auf Geodäten und Geoinformatiker zugeschnitten. Sie tragen dazu bei, Veränderungen auf der Erdoberfläche zu erfassen, zu verstehen, zu dokumentieren und in Planung umzusetzen. Dies erfolgt auf globaler, regionaler und lokaler Ebene. So werden die künftigen Arbeitsfelder der Ingenieurinnen und Ingenieure der Geodäsie und Geoinformatik immer vielschichtiger und interessanter. Speziell hinsichtlich der Beobachtung des Systems Erde aus dem Weltraum über satellitengestützte Verfahren wird die Verbindung zwischen Geodäsie und Geoinformatik und Luft- und Raumfahrttechnik in Zukunft an Intensität gewinnen. Das Studium der Geodäsie und Geoinformatik an der Universität Stuttgart trägt diesem Umstand Rechnung. Ein wesentlicher Aspekt des Stuttgarter Profils ist die in der deutschen Hochschullandschaft einmalige Verbindung der beiden Disziplinen.